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Mittwoch, 29. Juli 2009 um 15:26 Uhr |
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Die Visitenkarte einer Uhr
Das Zifferblatt einer Armbanduhr sagt — so erklären Uhrenfabrikanten — viel über den Charakter einer Uhr aus. Es zeige einerseits, was die Uhr auszusagen vermag, und verleihe ihr andererseits das typische Design. Von der Uhrenfirma Oris stammt das schöne Zitat'. „Wenn das Werk ihr Herz ist, dann ist das Zifferblatt ihr Gesicht."
Der Hinweis auf das Design ist richtig, die Behauptung, das Zifferblatt verrate etwas über Qualität und Vielseitigkeit des Uhrwerks, ist zweifelhaft. Immer wieder gab es Uhren, die, nach den Skalen und Zeigern auf dem Zifferblatt zu urteilen, die reinen Wunderwerke sein mussten. Sie waren es keineswegs, lediglich die Zifferblatt-Gestalter waren sehr kreativ.
Das Zifferblatt ist die Visitenkarte jeder Uhr, auf seine optische Gestaltung wird bei guten Firmen viel Phantasie und Mühe verwendet. Dazu gehört großes handwerkliches Geschick beim Emaillieren, Guillochieren und Gravieren. Das etwa um 1720 entwickelte Kunsthandwerk des Guillochierens wurde für den modernen Uhrenbau wieder entdeckt.
Email, Gravur und Guilloche
Man braucht genaue Entwürfe, feinstes Handwerkszeug und höchste Präzision für die Arbeit an solchen Zifferblättern. Viele werden emailliert. Dazu wird zuerst Spezialglas bei über 1000 Grad geschmolzen und dann kalt abgeschreckt. Dabei bilden sich Glaskörner, die man pulverisiert und mit Färbemitteln aus Metalloxiden sowie einer Flüssigkeit mischt. Die gut gereinigte Fläche des Zifferblattes wird nun durch Streichen, Tauchen oder Spritzen gleichmäßig mit der Email-Paste beschichtet. Danach wird das Ganze in Spezialöfen bei 800 Grad Celsius gebrannt.
Dieses Emaillieren geschieht oft in fünf Schichten. Dann wird die Oberfläche von Hand glattgeschliffen. In der Regel fallen 15 bis 20 Arbeit-und Brennvorgänge an. Dabei kommt es wegen der unvermeidlichen Oberflächenspannungen oft zu Defekten, das Zifferblatt muss dann weggeworfen werden. Dies alles macht echte Email-Zifferblätter teuer und die damit ausgestatteten Uhren kostbar.
Häufig wird das Zifferblatt graviert. Man schneidet mit scharfen Instrumenten Schrift, Zeichnungen oder Ornamente ins Metall. Eine aufwändige Arbeit, die viel Kunstverstand und Geschick erfordert. Deshalb ist auch das Gravieren wertvollen Uhren vorbehalten.
Eine besondere, komplizierte Art der Gravur ist das Guillochieren: Man graviert ein dichtes Muster regelmäßiger geometrischer Figuren ins Zifferblatt. |
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. Juli 2009 um 15:27 Uhr |
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Die elektrische Armbanduhr |
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Mittwoch, 29. Juli 2009 um 15:25 Uhr |
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Ein Quarz steuert das Uhrwerk
Wie eine mechanische Uhr funktioniert ist vorstellbar. Bei einer Quarzuhr ist das schwieriger. Was kann ein Stück synthetischer Quarz bewirken?
Wenn man eine elektrische Spannung an einen Quarzkristall anlegt, so beginnt dieser, mit einer ständig gleichbleibenden Frequenz von 32,768 Khz zu vibrieren oder zu schwingen. Diesen „piezoelektrischen Effekt' untersuchte 1880 erstmals Pierre Curie, der Ehemann von Marie Curie, die bahnbrechend auf dem Gebiet der Radioaktivität forschte. Er beobachtete, dass ein elektrisches Feld einen Quarzkristall zu Schwingungen anregt.
Als es vor hundert Jahren um die neue Radiotechnik ging, die stabile Frequenzen brauchte, wurden die Quarzkristalle weiter untersucht. Fernmeldetechniker der Telefonfirma Bell entwickelten dabei große Uhren, die durch einen Quarz-Oszillator gesteuert wurden und erstaunlich genau gingen. Sie wurden bald als astronomische Zentraluhren in Sternwarten verwendet. Danach wurden Quarzuhren auf der ganzen Welt benutzt.
In einer Quarzuhr arbeitet ein Quarzkristall-Oszillator mit sehr präziser Schwing-Geschwindigkeit. Ein elektronischer Schaltkreis erfasst diese Hochfrequenzschwingungen und reduziert sie auf eine brauchbare Frequenz. Diese Schritte treiben ein Räderwerk und damit die Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden an.
Präzision und Größe
Die frühen Quarzuhren waren sehr genau, aber alle zunächst sehr groß. Die ersten Modelle füllten ganze Räume. Nach und nach baute man kleiner, aber die für den Betriebsstrom nötigen Batterien waren immer noch sehr umfangreich und passten zunächst in keine Armbanduhr. Baute man sie sehr klein, so konnten sie nicht lange genug Strom abgeben.
Amerikanern gelang es erst in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, kleine, leistungsstarke Batterien herzustellen. Die Hamilton Watch Company fertigte mit der Hamilton 500 1957 die erste elektrische Armbanduhr. Sie arbeitete allerdings nicht mit einem Quarz-Element, sondern hier setzte die Batterie durch winzige Stromstöße das mechanische Werk in Gang.
Quarz, Silizium und Gold
Bei anderen Versuchen, Batterien für Uhrwerke zu verwenden, wurden regelrechte kleine Stimmgabeln aus Metall benutzt, die durch einen Transistor in konstante Schwingungen versetzt wurden. So wurde ab 1955 an der Accutron" von Bulova gebaut, die 1960 auf den Markt kam. Diese Uhr tickte nicht mehr — sie summte.
Inzwischen hatte sich Seikosha in Japan — bei uns als „Seiko" bekannt — mit der Quarztechnologie beschäftigt. 1958 stellte das Unternehmen einen Quarzzeitmesser für Rundfunkstationen her, der sehr gut funktionierte, aber immer noch die Ausmaße eines Aktenschranks hatte. Man bemühte sich um Verkleinerung, und bald entstand ein Quarz-Marinechronometer, Seikos erste Uhr, die an einem Chronometer-Wettbewerb des Observatoriums von Neuchätel teilnahm.
1964 wurde eine kommerzielle Version dieser Uhr produziert, die 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio benutzt wurde.
Aber dieses Prinzip in eine Armbanduhr einzubauen —ging das? Jahre wurde daran gearbeitet. Viele quarzbetriebene Ohrentypen wurden ohne großen Erfolg gebaut. Die erste zufriedenstellend arbeitende Quarz-Armbanduhr brachte Seiko am 25. Dezember 1969 heraus. Heute werden gute Quarz-Armbanduhren von vielen Firmen neben mechanischen Zeitmessern angeboten.
In Quarz-Armbanduhren verwendet man extrem dünne Blätter aus synthetischem Quarz, die sehr stoßbeständig und in Stimmgabelform zugeschnitten sind. Eine elektrische Schaltung versorgt den Quarz mit Energie (diese kommt meist aus einer winzigen 1,55-Volt-Batterie) und nimmt seine Vibrationen auf.
Dieses Schaltsystem ist das Gehirn der Quarzuhr. Es besteht aus einem Siliziumplättchen mit einem aufgedruckten komplizierten Netz von Halbleitern, Widerständen und Kondensatoren und ist mit den anderen Elementen der Uhr durch feinste Goldfäden verbunden. Sie erfasst die vom Quarz ausgesandten elektrischen Signale, deren Frequenz anschließend fünfzehn mal halbiert werden muss, damit sie für das Uhrwerk verwendbar ist.
So erhält man einen einzelnen elektrischen Impuls pro Sekunde, der einen Schrittmotor
steuert. Dieser treibt über eine Übersetzung die Zeiger an. Damit werden die Uhren zu kleinen
Computern, in denen Programme auch einen ewigen Kalender oder andere komplizierte Funktionen steuern können.
Ein Problem aber blieb: die Batterie, die man wechseln muss. Bei modernen Quarz-Uhren halten die Batterien jahrelang, aber dann — und oft im ungeeignetsten Augenblick — setzen sie aus. Man muss eine neue Batterie einbauen lassen. Für Taucher oder Piloten kann das gefährlich sein. Deshalb bemühte man sich, eine Quarzuhr herzustellen, die keine Batterie mehr braucht.
Bei mechanischen Uhren tritt dieses Problem so nicht auf. Viele haben heute schon Gangreserven von mehreren Tagen. So lange können sie unbewegt oder ohne zusätzlichen Aufzug bleiben, ohne stillzustehen. So lag die Überlegung nahe, ob die Bewegung des Handgelenks, die eine Automatik-Uhr aufzieht, nicht ausreichen könnte, elektrischen Strom für ein Quarz-Werk zu liefern. Theoretisch war das kein Problem, in der Praxis aber durchaus: Strom ließ sich damit zwar über einen winzigen Dynamo produzieren, aber er reichte zunächst nicht aus. Immerhin stellte Seiko schon 1986 einn Prototyp vor.
Kinetik-Uhren ohne Batterie
Die ersten Prototypen dieser Quarzuhr mit elektrischem Generator enthielten ein Schwunggewicht, ähnlich dem, das in einer Automatik-Uhr verwendet wird. Die durch die Armbewegungen des Trägers erzeugte kinetische Energie sollte, in Elektrizität umgewandelt, die Quarzuhr antreiben. Aber diese Energiezufuhr war zu ungleichmäßig. Ein normaler Dynamo braucht einen gleichmäßigen Antrieb, um eine brauchbare Menge an Strom zu erzeugen. Es dauerte Jahre, bis neue elektrische Schaltkreise erfunden wurden, die die winzige Spannung der Uhren-Generatoren für den Quarzbetrieb nutzen konnten.
Heute gibt es solche Kinetik- oder Hybrid-Uhren, die gut funktionieren. Der winzige Generator versorgt einen Kondensator mit Strom. Dieser hat die Rolle der Batterie übernommen und kann Energie für einige Tage speichern, was bei einer regelmäßig getragenen Uhr ausreicht. Andere Quarz-Uhren laufen bereits mit Strom, der aus Tageslicht gewonnen wird.
Mit Beginn der Quarzära wurden für Quarzuhren auch digitale Anzeigen statt der Zeiger entwickelt. Die Zeitanzeige und andere Informationen wie das Datum, Stoppuhr-Werte und vieles andere werden mit digitalen Ziffern und Buchstaben angezeigt. Diese bestehen aus Flüssigkristallen, die elektrisch aktiviert werden. Für voll mechanische Uhrwerke ohne Batterie kommen sie deshalb nicht in Frage, diese bleiben bei den herkömmlichen Zeigern und Sichtfenstern. |
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. Juli 2009 um 15:26 Uhr |
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Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:28 Uhr |
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Perfekte Ganggenauigkeit
Die irdische Schwerkraft hat Einfluss auf die Ganggenauigkeit einer mechanischen Uhr — auch einer Armbanduhr. Sobald die Unruh, das schlagende Herz der Uhr, in senkrechter Stellung tickt, wird ihr Gang durch die Schwerkraft beeinflusst. Um diese zu neutralisieren, wurde das „Tourbillon" erfunden, der „Wirbelwind".
Ein Tourbillon ist ein Muster- und Meisterstück der Uhrmacherkunst. Viele Uhren-Hersteller, die ein Tourbillon einbauen, bringen deshalb im Zifferblatt ein Fenster an, das den Blick auf dieses fast lebendig wirkende Kunstwerk erlaubt.
In den letzten Jahren hat sich das Tourbillon mehr und mehr durchgesetzt. Kaum eine der großen Ohrenfirmen kann sich leisten, den Trend nicht mitzumachen. Das auf einen Blick sichtbare Tourbillon signalisiert weit eindeutiger als alles andere-. der Käufer legt wert auf Qualität.
Es ist nicht so, dass eine gute und zuverlässige Armbanduhr unbedingt ein Tourbillon haben müsste. Die erhöhte Ganggenauigkeit, die ein Tourbillon dem Uhrwerk bringt, ist wundervoll für Perfektionisten. Aber für die praktische Benutzung einer Armbanduhr kann man sie vernachlässigen.
Tourbillons werden heutzutage viel häufiger angeboten als früher. Man könnte darum meinen, es sei eine moderne Erfindung. So ist es aber nicht. Der berühmte Uhrmacher Abraham-Lois Breguet meldete schon 1801 sein Tourbillon für Taschenuhren in Paris zum Patent an. Er erklärte dem französischen Innenminister stolz seine Erfindung:
„Ich beehre mich, Ihnen eine Notiz mit Einzelheiten über eine neue Erfindung zu übergeben, die bei Uhren angewendet werden kann und die ich 'Régulateur á Tourbillon' genannt habe. Es ist mir mit dieser Erfindung gelungen, durch Kompensation die Fehler zu verhindern, die durch Verlagerung des Werkes und Verschiebungen des Schwerpunkts entstehen, sowie die Reibung gleichmäßig an allen Teilen der Zapfen im Werk zu verteilen, auch wenn das Öl dicker wird. Ferner behebe ich andere Fehler, welche die Genauigkeit des Werkes mehr oder weniger beeinträchtigen, in einer Weise, welche den bisherigen Stand unseres Wissens bei weitem übersteigt."
In der Entwicklung seines Tourbillons hatte Breguet bedacht, dass Taschenuhren überwiegend senkrecht getragen werden und dass in dieser Position die Erdanziehung besonders negativ auf das Schwingverhalten der Unruh einwirkt. Dieser Einfluss ist nicht so groß, dass eine Uhr deshalb falsch geht. Dann wären ja alle Uhren ohne Tourbillon (und das sind die meisten) unzuverlässig. So ist es also nicht, aber für einen Uhrmacher, dem es während eines Tages auf Sekundenbruchteile ankommt, ist der Einfluss der Schwerkraft ärgerlich.
Dies lässt sich durch Änderungen an der Unruh nicht befriedigend beheben. Deshalb suchte Breguet nach einem mechanischen Ausgleich. Er montierte Unruh und Hemmung in ein Metallgestell, das sich einmal pro Minute um die eigene Achse drehte. Auf diese Weise bewegten sich die Störfaktoren gewissermaßen ständig im Kreis.
Das Tourbillon in der Taschenuhr
Damit hoben sich beschleunigende und bremsende Momente gegenseitig auf. Eilte das Werk in der ersten Minutenhälfte um eine Winzigkeit vor, blieb es in der zweiten um den etwa gleichen Wert zurück.
So wurde ein Ausgleich geschaffen. Bei Taschenuhren funktionierte das neue System. Bei Armbanduhren war es schwieriger. Während Taschenuhren meist senkrecht und behutsam in der Westentasche getragen werden, müssen die am Handgelenk befestigten Armbanduhren einiges aushalten. Ständig wechseln sie ihre Lage, oft sind sie heftigen Bewegungen und Stößen ausgesetzt. Für den Träger der Uhr sind diese Bewegungen des Handgelenks selbstverständlich. Aber es braucht gar kein Boxkampf zu sein, schon alltägliche Beschäftigung fordert dem Mechanismus vieles an Belastbarkeit ab.
Damit hatte sich das Thema „Tourbillon" für Armbanduhren zunächst eigentlich von vornherein erledigt. Am Handgelenk konnte der künstliche „Wirbelwind" nur sehr begrenzt etwas ausrichten. Immerhin wurden bei Chronometerwettbewerben der 1940er- und 1950erJahre Armbanduhren mit Tourbillon gezeigt. Die erste Uhrenfirma, die sich dabei mit mehreren Tourbillons präsentierte, war Omega im Jahre 1947.
Die Tourbillon-Ära der Armbanduhren
„Die große Ära der Armbanduhren mit Tourbillon begann 1986, ausgelöst durch die beispiellose Renaissance der mechanischen Zeitmessung und beflügelt durch bedeutende technische Fortschritte in der computergesteuerten Metallbearbeitung sowie durch den Einsatz neuer Materialien" — so kann man es in den historischen Betrachtungen der Uhrenfirma Jaeger-LeCoultre nachlesen. Auch diese Firma brachte in der „großen Ära" neue Armband-Tourbillon-Uhren heraus, darunter mehrere Typen der „Roverso Tourbillon", wiewohl der seit über 200 Jahren bewährte „Wirbelwind" am Handgelenk zunächst nur begrenzte Dienste leisten konnte.
Die Techniker und Uhrmacher gaben sich mit dieser Erkenntnis nicht zufrieden. Sie forschten und konstruierten weiter. Im Jahre 2004 zeigten sie eine Weltpremiere: den „Gyro-Tourbillon". Während bis dahin Tourbillons in ihrer Position fest an das Uhrwerk angekoppelt waren, ist es hier anders-. 60 Sekunden braucht ein ultraleichter äußerer Käfig für eine Umdrehung. Aber das innenliegende Gestell mit Unruh, Unruhspirale und Hemmung rotiert weitaus schneller, nämlich einmal innerhalb von 24 Sekunden, was 2,5 Umdrehungen pro Minute entspricht. Alle 112 Teile dieses komplexen „Gyro-Tourbillons" sind winzig. Und sie bringen alle zusammen gerade ein Drittel Gramm Gewicht auf die Waage. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:29 Uhr |
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Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:27 Uhr |
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Zeitzonen
Seit 1883 ist die Welt in 24 Zeitzonen eingeteilt. Vorher gab es unendlich viele solcher Zonen, denn jeder Ort hatte seine eigene Zeit, die nach dem natürlichen Sonnenstand festgelegt wurde. Daraus ergaben sich schon bei Städten, die einige Kilometer auseinander lagen, um Minuten unterschiedliche Ortszeiten. Dies war, als man erstmals verlässliche Eisenbahn-Fahrpläne brauchte, eine unmögliche Situation. So kam die noch heute gültige weltweite Einteilung in 24 Zeitzonen zustande. Grundlage ist der Null-Meridian, der durch das Observatorium im britischen Ort Greenwich verläuft. Dort ist die „GMT" festgelegt, die „Greenwich Mean Time", die Standard-Zeit. Für Mitteleuropa gilt die „MEZ", die Mitteleuropäische Zeit, die —mit einer Stunde Unterschied zur „GMT" — der exakten Zeit in der Stadt Görlitz bei Dresden entspricht.
Schon vor rund 50 Jahren entstanden Uhren mit zwei Werken und zwei Zifferblättern, die auf unterschiedliche Zeiten eingestellt werden konnten. Im nächsten Schritt entwickelten Hersteller Uhren mit nur einem Uhrwerk, aber einem zusätzlichen Mechanismus, der es erlaubt, unterschiedliche Zeiten auf mehreren Zifferblättern zu zeigen. Uhren mit einem kleinen Zifferblatt, das die Stunden einer zweiten Zeitzone anzeigt, sind inzwischen weit verbreitet.
Die Weltzeit
Doch noch vor dieser Entwicklung — bereits um 1940 —entstanden so genannte Weltzeituhren, die zwar nur ein Uhrwerk mit normaler Zeitanzeige hatten, aber in einem sich automatisch drehenden Ring um das Zifferblatt die Namen von 24 Städten zeigten. Diese Städtenamen stehen symbolisch für die 24 Zeitzonen. Solche Weltzeit-Armbanduhren zeigen zumindest auf eine Stunde genau, wie spät es in diesen Zeitzonen ist.
Übrigens gibt es auch Uhren, die anzeigen, welcher Unterschied zwischen der Normalzeit, wie der Rundfunk sie durchgibt, und der exakten Sonnenzeit vor Ort besteht. Diese Uhren muss man sich allerdings vom Uhrmacher ganz genau auf den Ort einstellen lassen, für den sie gelten sollen. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:28 Uhr |
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Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:25 Uhr |
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Volmax und Vostok
Die „Erste Moskauer Uhrenfabrik" wurde 1929 gegründet. Sie baute viele Uhren, darunter auch das Modell „Sturmanskie", das Juri Gagarin 1961 auf seiner Reise ins Weltall begleitete. Damals wurde die Fabrik in Moskau umbenannt in „Poljot", was so viel wie „der Flug" heißt. Dann wurde die Firma Volmax als Großhandelsunternehmen gegründet, um Poljot-Uhren auch ins westliche Ausland zu verkaufen. Aber in den 1990er-Jahren wurde immer deutlicher, dass die Poljot-Uhren zwar funktionell sehr gut waren, aber nicht so ganz dem Geschmack und den Anforderungen der Westeuropäer entsprachen. So nahm Volmax eine eigene Uhrenproduktion auf, die bald die Produktion von Poljot überflügelte.
Limitierte Auflagen
Von Anfang an unterschieden sich die Volmax-Produkte von anderen Uhren aus sowjetischer oder russischer Produktion. Das Unternehmen hatte weit gesteckte Ziele-. Es wollte nicht nur seine Uhrenmarken verkaufen, sondern auch die negative Einstellung des Auslandes widerlegen. Diese Einstellung wurde leider durch schwarze Exporte minderwertiger Uhren gefördert. Diese Uhren kamen ohne jegliche Qualitätskontrolle in den Verkauf, zum Teil auf Flohmärkten, zum Teil über das Internet. Dem arbeitet Volmax nun kräftig entgegen. Es möchte mit seinen Produkten an die frühere Qualität und Popularität russischer Uhren anknüpfen und qualitativ eine echte Konkurrenz zu Schweizer Herstellern darstellen.
Als erster russischer Ohrenfabrikant stellte Volmax limitierte Auflagen her. Die Modelle sind nach historischen Anlässen benannt und werden in Stückzahlen von 55 bis 999 Stück hergestellt.
Das Produktionsvolumen bei Volmax ist relativ klein, Priorität hat die Qualität, man orientiert sich an den Standards Schweizer Firmen. Für Volmax arbeiten inzwischen die wohl besten Designer und Konstrukteure Russlands, die zum Großteil von Poljot übernommen wurden. Heute existieren Vertretungen in ganz Europa, in Deutschland ist es Peter Maier in Heidenheim, wo man sich neben dem Verkauf sehr darum bemüht, das Image zu fördern.
Mittlerweile wird für Volmax aber auch der heimische Markt interessant, wobei derzeit zwei Tendenzen festzustellen sind: Das Interesse an klassischen Armband
uhren wächst und auch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Uhren ist deutlich stärker geworden.
Chronometer-Genauigkeit
Eine andere wichtige Uhren-marke entstand in der Moskauer Uhrenfabrik Slava. Diese wurde im Kriegsjahr 1942 nach Tschistopol verlagert. Damals
produzierte das Unternehmen Uhren für den Kriegseinsatz, aber schon im Jahre 1943 wurden auch die ersten zivilen mechanischen Herrenarmbanduhren hergestellt. Das Logo „Vostok" erschien erstmals 1957 auf den Zifferblättern. Vostok-Uhren waren die ersten Armband-Präzisionsuhren in der
UdSSR, die im Standard der Ganggenauigkeit eines damaligen Chronometers entsprachen.
Im Gegensatz zu anderen Unternehmen der Branche, die in den 1980er-Jahren die Produktion mechanischer Uhren einstellten und zu Quarz-Uhren übergingen, hat Vostok die Produktion mechanischer Uhren nie vernachlässigt. Mehr noch, das Werk hat damals gezielt und konsequent seinen Maschinenpark daraufhin modernisiert. Als in den 1990er-Jahren die Sowjetunion auseinander brach und die Branche dezentralisiert wurde, darüber hinaus die Preise für Quarz-Uhren auf dem Weltmarkt drastisch absanken, wurde die Herstellung von Quarz-Uhren in allen einheimischen Fabriken eingestellt. Damit befand sich Vostok in einer sehr vorteilhaften Position.
Seit dieser Zeit erweitert sich die Firma kontinuierlich. Bei der technischen Ausrüstung und der Produktionskapazität ist Vostok mit 3200 Mitarbeitern der Führer der russischen Branche. Das Werk stellt alle Ohrenkomponenten selbst her, liefert solche auch an andere russische Fabriken — und sogar an renommierte westliche Hersteller, die inzwischen die Qualität der Vostoker Uhrmacher zu schätzen wissen. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:27 Uhr |
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Das Gehäuse der Armbanduhren |
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Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:24 Uhr |
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Gold, Platin, Stahl
Das Gehäuse einer Armbanduhr ist für manchen Uhrenkäufer wichtiger als das Werk.
Die goldene Uhr war schon in der Zeit der Taschenuhren ein Zeichen von Wohlstand. Für Taschen- wie für Armbanduhren hat Gold außerdem den Vorzug, dass es sich relativ leicht bearbeiten lässt. Deshalb werden Uhrengehäuse sehr oft aus Weiß-, Gelb- und Rotgold hergestellt, durchaus auch Chronographen und andere Uhren für Sportler.
Immer wieder werden auch Uhrengehäuse aus Platin hergestellt, diesem seltenen und schweren Edelmetall. Er ist der reinste Werkstoff, den man in der Uhrenfabrikation kennt.
Das typische Metall bei Gebrauchsuhren ist aber nach wie vor Stahl. Gehäuse aus Edelstahl sehen gut aus, sind weitgehend korrosionsfest und halten fast ewig. In den letzten Jahren entstanden aus Stahl sogar ausgesprochene Schmuckuhren. Nobelfirmen kombinierten den Stahl mit Gold und besetzten ihn sogar mit Edelsteinen. Das sieht nicht nur apart aus, es ist auch kostspielig: Stahl ist als Brillantenfassung weit schwieriger zu bearbeiten als das erheblich weichere Gold.
Allerdings hat der Stahl, den man heute in der Uhrenfabrikation verwendet, auch weit edlere Eigenschaften als etwa die schlichten Stahlträger im Baubetrieb.
Der neue Werkstoff Titan
Ein anderes Metall macht in letzter Zeit beim Uhrenbau von sich reden: Titan, ein chemisches Element, das aus Erzen und Mineralverbindungen gewonnen wird. Die Autofirma Porsche, die nebenbei eine beachtenswerte Uhrenfabrikation aufgebaut hat, formuliert die Vorzüge dieses Metalls so: „Das nach dem ältesten griechischen Göttergeschlecht benannte Metall Titan bietet einzigartige Härte, Zugfestigkeit und Zähigkeit, ist antimagnetisch und korrosionsfrei — und dabei wesentlich leichter als Edelstahl."
Der allerdings nicht sehr billige High-TechWerkstoff Titan wird seit längerem erfolgreich in der Luft- und Raumfahrttechnik wie auch im Sportwagenbau verwendet. Die Uhrenfirma IWC, die schon 1980 einen Chronographen mit Titan-Gehäuse auf den Markt brachte, meint: „In der Luft- und Raumfahrt ist Titan wegen seines Leichtgewichtes beliebt, im Automobilrennsport wegen seiner hohen Belastbarkeit und in der Chirurgie wegen seiner ausgezeichneten Hautverträglichkeit."
Lange Zeit hielt die Uhrenbranche nichts von Titan, denn es lässt sich nur schwer bearbeiten. Man braucht Spezialwerkzeuge, die teuer sind und bei der Härte des Metalls schnell verschleißen. Porsche wie auch IWC mussten eigene Anlagen zur Titan-Bearbeitung entwickeln. Anderen Uhrenherstellern, die sich neuerdings immer wieder mit Titan beschäftigen, geht es nicht besser. Hinzu kommt, dass Titan nur sehr schwer gleichmäßig poliert werden kann. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:25 Uhr |
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Die Uhrenentwicklung in Japan |
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Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:23 Uhr |
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Die Wasseruhr
In China kannte man bereits im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung gut gehende Wasseruhren — vielleicht sogar schon früher. Mit dem Buddhismus kam die Wasseruhr im 6. Jahrhundert nach Japan. Dort entstand im Jahre 671 eine Wasseruhr am Hofe des Kaisers Kenji. Um 1010 erfand der chinesische Gelehrte Sung seinen Uhrturm, eine technisch fortschrittliche „kosmische Maschine`. eine wassergetriebene astronomische Uhr mit Elementen einer Zeitnormal-Konstruktion mit einer Hemmung. Im 14. Jahrhundert sollen in China bereits Uhrwerke verbreitet gewesen sein, in den Folgejahren kam in Asien die Ohrenentwicklung jedoch zum Erliegen.
Erst um 1600 gründeten christliche Missionare in der Präfektur von Nagasaki eine Schule, die Allgemein- wie Berufsbildung vermittelte. Dort lernten viele Schüler, wie man Uhren, Orgeln und astronomische Geräte baut.
Der Mondkalender
Ab 1635 begann Japan, sich von ausländischem Einfluss abzuschotten. Den Japanern wurden vom Kaiserhof auch Auslandsreisen untersagt. Doch während sich das Land mehr und mehr von der Außenwelt isolierte, erlebte die japanische Uhrmacherei 300 Jahren lang eine Blütezeit. Die Uhrmacher waren staatliche Angestellte. Die Residenzstadt Edo (das heutige Tokio) wurde zum Zentrum der japanischen Uhrenindustrie. Japanische Meister konstruierten komplizierte Wadokei-Zeitmesser, die sich von Uhren völlig unterschieden.
Das japanische Zeitsystem basierte auf dem Mondkalender. Für die Zeitmessung wurde jeder Tag nach Sonnen-auf- und -untergang in eine Tages- und eine Nachtzeit aufgeteilt, wobei Tag und Nacht jeweils in sechs Perioden unterteilt waren. Da die Länge von Tag und Nacht im Laufe des Jahres ständig variierte, änderten sich auch täglich die Längen dieser Perioden.
Weck-Werke in Wadokei-Uhren
Die Wadokei-Uhren mussten mit diesen täglichen Variationen zurechtkommen. Das funktionierte zufriedenstel
lend; spätere Versionen waren sogar mit Weck-Werken ausgerüstet.
Die Wadokei-Uhrenindustrie entwickelte sich gut, wurde aber 1872 von einem Tag zum anderen sinnlos, als das japanische Kabinett den Mondkalender durch den europäischen Sonnenkalender ersetzte. Das alte japanische Zeitsystem wurde aufgegeben, die Wadokei-Uhren verloren allen Nutzen. Da in Japan Erfahrung mit Uhren für das neue Zeitsystem fehlte, wurden zunächst Uhren aus dem Westen importiert. Westliche Technologien wurden zunächst beim Bau von Wanduhren eingesetzt.
Seiko
1877 eröffnete Kintaro Hattori zunächst eine Reparaturwerkstatt in Tokio; im Alter von nur 22 Jahren gründete er 1881 eine eigene Uhrenmanufaktur und gab damit den Startschuss für den Aufbau einer japanischen Uhrenindustrie. Schon 1892 entstand in einer nicht mehr genutzten Fabrik seine Firma Seikoshi.
Dieser Firmenname enthält die japanischen Worte „seiko" (das „genau" oder „Erfolg" bedeutet) und „sha" (das „Haus"). Der Betrieb wurde alsbald eine der bedeutendsten Uhrenfabriken der Welt. Während ab 1927 die dort produzierten Taschenuhren die Markenbezeichnung „Seikosha" trugen, wurden die Armbanduhren nur „Seiko" genannt.
Seikoshi ist heute eine der weltweit größten Uhrenfirmen und an vielen technischen Entwicklungen wie z. B. der Quarz-Werke maßgeblich beteiligt. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juli 2009 um 16:24 Uhr |
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Freitag, 24. Juli 2009 um 12:12 Uhr |
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Die Entwicklung astronomischer Uhren begann schon im 13. Jahrhundert. Bereits damals wurden Uhren gebaut, die ein Kalendarium besaßen und die Mondphasen anzeigten. Der Grund dafür war nicht nur, dass Käufer mit solchen Uhren gern ein wenig Wohlstand zur Schau stellten. Eben so wichtig war, dass man der Stellung des Mondes große Bedeutung im alltäglichen Leben beimaß. Sie bestimmt Ebbe und Flut, auch den Nachtschlaf mancher Menschen, und in der Landwirtschaft nimmt der Mond Einfluss auf die Zeit der Aussaat oder des Ein- und Umpflanzens.
So entwickelte man alsbald auch Armbanduhren, die eine Datums-Anzeige haben, aber auch eine Anzeige des Mondstandes. Der nächste Schritt führte zum ewigen Kalender. Ewig ist er zwar nicht, aber einige Jahre läuft er ohne Korrektur und berücksichtigt auch Schaltjahre.
Dann interessierten sich Armbanduhrmacher auch für die Zeitgleichung. Dass die Sonne einen Tageslauf von 24 Stunden hat, stimmt ja nur ungefähr. Weil die Kreisbahn der Erde in Wirklichkeit eine Ellipse bildet, geht die Sonne übers Jahr einmal 15 Minuten vor, einmal 15 Minuten nach. Das konnte man ab etwa 1990 auf manchen Uhren nachlesen.
Da konnte man die Planeten sehen, wie sie um die Sonne liefen, die Erde eingeschlossen —wie das im Mittelalter schon Kopernikus herausgefunden hatte.
Inzwischen gibt es Armbanduhren, die noch weit mehr davon anzeigen können, was sich am Himmel ereignet. Für Hobby-Astronomen ist das sehr nützlich. Für viele andere Uhrenfreunde ist es zumindest interessant, was sich da am Himmel abspielt und in der kleinen Uhr angezeigt wird. |
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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 24. Juli 2009 um 12:13 Uhr |
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Geschichte der Armbanduhren |
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Geschrieben von: Administrator
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Freitag, 24. Juli 2009 um 12:10 Uhr |
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Sonnenuhren und Wasseruhren
In europäischen Breiten genügte lange der Sonnenstand, um sich Kenntnis über die Tageszeit zu verschaffen. Die ersten Sonnenuhren erdachten wohl die Ägypter. Über Griechenland kam die Idee nach Rom: Die älteste römische Sonnenuhr, im dritten vorchristlichen Jahrhundert installiert, war ein Beutestück aus Griechenland. Sie ging 100 Jahre lang falsch, erst dann bemerkte man, dass sie nicht richtig stand.
Das äußere Bild der alten Sonnenuhren spiegelt sich im Erscheinungsbild heutiger Uhren wider: Aus der runden Scheibe wurde das Zifferblatt, der dünne Schatten, der die Zeit auf der Scheibe angab, ist zum Zeiger geworden.
Inzwischen waren auch Wasseruhren aufgekommen, bei denen der Stand des Wasserspiegels — erzeugt durch gleichmäßig ein- und auslaufendes Wasser — die Zeit angab. Schon im zweiten vorchristlichen Jahrhundert baute ein griechischer Friseur namens Ktesibios eine Wasseruhr, die auch Zifferblatt und Zeiger hatte. Zur Zeit von Sokrates liefen Wasseruhren in den Gerichten, um langweiligen Rednern die Sprechzeit zu kürzen.
Erste mechanische Uhren
Die Idee ist also nicht neu, nicht einmal das Phänomen eines Zeitmessers für unterwegs, eines Vorläufers der Armbanduhr: Im alten Rom gab es kleine tragbare Sonnenuhren.
In Deutschland waren vor allem die Klöster an gut funktionierenden Uhren interessiert. Der Benediktiner Hildemar erklärte: „Kein Gebet ist vernünftig, wenn es nicht zeitlich genau geregelt wird." In England wurde im 9. Jahrhundert die Kerzenuhr erfunden: Das herunterbrennende Licht zeigte an, wie spät es war.
Etwa im 10. Jahrhundert wurde die erste mechanische Uhr gebaut, die durch steinerne Gewichte angetrieben wurde. Aber es dauerte bis ins 13. Jahrhundert, bis Konstrukteure astronomischer Instrumente daraus brauchbare Räderuhren fertigten. Damals entstand die Berufsbezeichnung „Uhrmacher".
Auch in Asien entwickelte sich die Ohrentechnik. Die Chinesen kannten im Mittelalter gut gehende Wasseruhren. Im 6. Jahrhundert lieferten sie solche Uhren bereits nach Japan.
Zum Ohrenbau gehört ein Zeitverständnis. Was ist eine Stunde? Was eine Minute? Das allerdings sind abendländische Zeitbegriffe. In Asien galt lange ein anderes System: Tag und Nacht waren in jeweils sechs Abschnitte geteilt. Im Sommer waren die Tage und damit auch die Tageszeit-Abschnitte länger, im Winter kürzer. Die Uhren, die nötig waren, um dies anzuzeigen, waren komplizierte technische Kunstwerke.
Pendel und Hemmung
In Europa galt der weit einfachere 24-Stunden-Tag und mit ihm die verhältnismäßig unkomplizierte 12-Stunden-Uhr. Es war im primitivsten Fall nur nötig, ein Rad in Gang zu setzen, das sich unentwegt zweimal am Tag um seine Achse drehte, um so die aktuelle Zeit anzugeben. Das Rad in Gang zu bringen, war nicht schwer. Dafür sorgte ein Gewicht, das an einer Schnur befestigt war, die man auf die Achse des Rades gewickelt hatte. Das Problem war, dieses System so zu bremsen, dass es nicht in einem Zug abschnurrte.
In Europa kamen im 13. Jahrhundert monumentale mechanische Uhren auf, im 14. Jahrhundert astronomische Uhren für große Kirchen. Dante beschrieb um 1320 solche Uhren in seiner „Göttlichen Komödie". Bald wurde es üblich, Kirchtürme mit Uhren auszustatten, von denen viele auch Läutwerke hatten — nicht nur, um den Leuten zu sagen, was es geschlagen hatte, sondern um die Gottesdienste pünktlich einzuläuten.
Diese Uhren, durch Gewichte bewegt, funktionierten erstaunlich präzise. Wie die frühen Ohrenbauer durch Reibungshemmungen das Problem lösten, ihre Uhrwerke auf eine nützlichen Gangart herabzubremsen (was dann später durch Pendel oder moderne Hemmungen besorgt wurde), ist leider nicht genau überliefert.
Die Pendeluhr wurde im 17. Jahrhundert von Galileo Galilei erfunden, aber sie wurde von dem Astronomen Christian Huygens verbessert und von ihm als Patent angemeldet. Seitdem hat dieser unverdient die Ehre, das
Uhrenpendel erfunden zu haben. Die Idee ist genial: Das Pendel tickt hin und her, und nur bei jedem Tick oder Tack kann sich das Zahnrad-Getriebe der Uhr ein Stückchen weiterdrehen.
Die frühe Uhrenproduktion
Nach und nach entstand im 16. Jahrhundert in Zentraleuropa ein angesehenes Uhrmacher-Handwerk. In Deutschland hatte es seine Zentren in Augsburg und Nürnberg, auf Schweizer Gebiet in Genf, in England in London. Der Dreißigjährige Krieg warf Deutschland allerdings weit zurück. Die Schweiz und England übernahmen die Führungsrolle in der frühen Uhrenproduktion. Doch schon gegen Ende des Krieges entstand im Schwarzwald ein neues deutsches Zentrum des Uhrmacher-Handwerks, so wurde zum Beispiel 1640 in der Nähe des Titisees eine erste hölzerne Uhr gebaut. In vielen Schwarzwald-Höfen bauten handwerklich geschickte Bauern in den langen Wintern Uhren, um sich etwas dazuzuverdienen. 1850 wurde in Furtwangen sogar eine Großherzoglich Badische Uhrmacherschule gegründet.
Tragbare Uhren
Was die geschickten Handwerker bei größeren Uhren fertig brachten, wurde alsbald in kleinerer Form nachgebaut. Berühmt waren schon im 16. Jahrhundert massive Taschenuhren, die „Nürnberger Eier" (abgeleitet von „Aeurlein" = eigentlich Ührlein).
Technische Errungenschaften wie z. B. die gespannte Stahlfeder als Energiequelle wurden seit Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts eingesetzt und ermöglichten die Produktion kleinerer, tragbarer Uhren.
Die Entwicklung dieser ovalen Taschenuhren des 16. Jahrhunderts mit Federwerk, als „Nürnberger Eier" bekannt, wurde zwar dem Nürnberger Uhrmacher Peter Henlein (um 1479 — 1542) zugeschrieben, ihre Herstellung dürfte aber erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts nach seinem Tod erfolgt sein. So kann Henlein nicht als Erfinder der Taschenuhr gelten.
Die Schweiz verfügte bereits zu dieser Zeit über eine Vielzahl sehr erfahrener Uhrmacher. Besonders in den Dörfern des Schweizer Jura zwischen Genf und Basel entstand ein Schwerpunkt der Schweizer Ohrenmanufakturen, das Dorf La Chaux-de-Fonds wurde zum Zentrum der Uhrenproduktion.
Chronometer wurden unter anderem auf hoher See zum sicheren Navigieren benötigt. So lag es auf der Hand, dass die Seemacht England die Uhrenproduktion der frühen Jahre nach Kräften förderte und eine Vormachtstellung auf diesem Gebiet erwarb.
Die englische Vormacht in der Produktion kleiner Uhren wanderte im 18. Jahrhundert in die Schweiz. Dort gab es inzwischen viel mehr Ohrenmanufakturen als in England. Aber auch in Deutschland tat sich einiges. 1767 bemühte sich Markgraf Carl Friedrich von Baden, in seiner Residenz Pforzheim eine Uhren- und Schmuckindustrie aufzubauen, indem er im Pforzheimer Waisenhaus eine Uhrenfabrik gründete. Jedoch erst im 20. Jahrhundert kann Pforzheim auf dem Ohrenmarkt als besonders erfolgreich gelten.
Im 19. Jahrhundert gelang es dem Ohrenfabrikanten Adolf Lange, durch wirtschaftliche Tüchtigkeit und gezielte Unterstützung der verarmten Bewohner eine Uhrenindustrie aufzubauen.
Die industrielle Produktion tragbarer Uhren
Die industrielle Produktion kleiner Uhren begann jedoch erst im 19. Jahrhundert. Eine Art von Armbanduhren gab es damals schon, allerdings nicht in großen Serien. Sie dienten als Schmuckstücke am Armreif oder einer Kette am Handgelenk. Die Uhrgehäuse waren rund oder oval, zum Aufziehen gab es kleine Schlüssel.
Die ersten „richtigen" Armbanduhren entstanden im Jahr 1880. Die deutsche Kriegsmarine bestellte sie bei der Firma Girard-Perregaux. Gleichzeitig wurden in der Schweiz aber auch schon Armbanduhren für Damen entwickelt, die vor allem unter Amerikanerinnen sehr beliebt waren.
Doch noch setzte sich die Armbanduhr nicht durch. Eher trug man Taschenuhren am Handgelenk. Manche Fabrikanten bauten ihre Taschenuhren auch so, dass sie direkt am Handgelenk getragen werden konnten.
Es gab aber inzwischen auch schon allerlei Patente für Uhren, die ausschließlich fürs Handgelenk bestimmt waren, denn einige kluge Uhrenhersteller wie z.B. Eterna 1909 erkannten das wirtschaftliche Potential.
Zu den Weitsichtigen gehörte auch Hans Wilsdorf, der aus dem bayerischen Kulmbach nach London gezogen war, um Uhren zu verkaufen. Er setzte auf Armbanduhren und verkaufte bereits 1908 eine ganze Anzahl unter dem Namen „Rolex". Die Uhrwerke bezog er zunächst aus der Schweiz und zog alsbald nach Genf, um eine eigene Uhrenfabrik zu gründen. Er war der erste, der dort Chronometer-Bescheinigungen für seine Uhren erhielt —nahezu eine Sensation für die kleinen Uhren.
Heute gilt Wilsdorf als legitimer „Vater" der Armband-Chronometer.
Viele Armbanduhren hatten neben dem Stunden- und Minutenzeiger nun auch schon einen Sekundenzeiger, entweder zentral oder mit kleinem eigenem Zifferblatt, heute meist „kleine Sekunde" genannt.
Um 1919 entstanden die ersten Armband-Chronographen. In den USA wurden bereits um 1913 attraktive Armbanduhren angeboten, im Ersten Weltkrieg wurden Armbanduhren unentbehrliche Begleiter der Soldaten an der Front. Vor allem Schweizer Ohrenfirmen reagierten nach Kriegsende auf die stark angestiegene Nachfrage.
Das Erscheinungsbild der Armbanduhren wandelte sich in den 1920erJahren.
Erinnerte es zunächst noch an das der Taschenuhr, entstanden nun kunstvolle, zum Teil abenteuerliche Designs: Sich drehende Skalen statt der Zeiger, aus der Mitte gerückte Zifferblätter, Mondphasen-Darstellungen und viele andere Details bereicherten das Zifferblatt. Die Gestaltung umfasste nahezu alle Elemente, die auch heute noch vorkommen.
Die Uhrwerke wurden mit der Zeit immer komplizierter. Uhrmacher, zu denen Armbanduhren zur Reinigung, zur Durchsicht oder zur Reparatur gebracht wurden, wurden zunehmend gefordert. Als in den 1970er-Jahren die Quarz-Uhr den Markt eroberte, schieden sich die Geister. Viele Uhrmacher profitierten vom Verkauf der neuen weniger komplizierten, günstigeren und oftmals genaueren Uhren-Generation, viele Uhrmacher wollten weiter ausschließlich mit und von der genial konzipierten, handwerklich minutiös gearbeiteten mechanischen Armbanduhr leben. |
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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 24. Juli 2009 um 12:12 Uhr |
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Freitag, 24. Juli 2009 um 12:10 Uhr |
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Markgraf Carl Friedrich von Baden errichtet 1767 mit Unterstützung des französischen Unternehmers Frani;ols Autran die erste Pforzheimer Uhrenmanufaktur. Im Gegensatz zu der von ihm ebenso geförderten und erfolgreichen Schmuckindustrie — Pforzheim wurde zur „Goldstadt" — endetet das Unterfangen erfolglos Mitte des 19. Jahrhunderts.
Nach 1900 unternahmen die Pforzheimer einen neuen Versuch. Auf die Schmuckbranche verstanden sie sich inzwischen, also versuchten sie es zunächst mit der Herstellung von Uhren-Gehäusen. Die gelangen so gut, dass sich viele davon an die großen Schweizer Uhrenfabriken verkaufen ließen. Nach und nach entstanden in Pforzheim auch Werkstätten für Zifferblätter, Zeiger, Kronen und Gläser. Nur Uhrwerke wurden ab 1910 aus der Schweiz importiert, um komplette Armbanduhren zusammenzubauen.
Die Uhrmacher-Fachschule
Man brauchte also mehr Fachleute, besonders für den Bau von Uhrwerken. So wurde 1927 eine Uhrmacher-Fachschule mit auswärtigen Lehrkräften gegründet. 1932 begann dann die Herstellung eigener Uhrwerke, und ein halbes Dutzend Jahre später stand die Pforzheimer Uhrenindustrie mit 9000 Beschäftigten bereits gut da. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Pforzheimer Uhrenbranche allerdings wieder am Boden.
Doch mit dem raschen Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung gewann auch die Pforzheimer Uhrenindustrie erneut große Bedeutung. Viele Uhren verkauften sich gut auf den Weltmärkten. Zahlreiche Erfindungen wurden patentiert, an der Entwicklung batteriebetriebener Armbanduhren waren die Pforzheimer ab 1952 beteiligt, an Quarz-Armbanduhren ab 1972. Heute werden in den Pforzheimer Manufakturen auch Spezialprodukte wie Funkuhren sowie wertvolle Schmuckuhren hergestellt.
Eigentlich lag es nahe, mehrere der verhältnismäßig kleinen Pforzheimer Betriebe zusammenzuschließen, um die Fachkräfte besser koordinieren zu können. Trotz mehrerer Versuche gelang das nicht. So gibt es auch heute noch eine ganze Reihe ausgezeichneter kleiner Manufakturen, aber keine wirklich große Firma.
Die Pforzheimer Uhrenproduktion
Im Technischen Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie hat man es verstanden, die Faszination von über 200 wechselvollen Jahren der lokalen Uhrenproduktion lebendig werden zu lassen. Man kann die Entwicklung einzelner Firmen verfolgen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts Ohrenketten und Medaillons für Taschen- wie für Damenumhängeuhren entwickelten und wie dies zu einer starken Belebung der Uhrenproduktion führte, die nun Ketten, Gehäuse und ganze Uhren umfasste.
Die Uhrenproduktion war einem ungleich stärkeren Wandel ausgesetzt als die Pforzheimer Schmuckindustrie. Von der mechanischen Uhr führte auch hier der Weg über elektronische Experimente zur Quarz-Uhr. Doch die starke internationale Konkurrenz führte seit den späten 1960er-Jahren zur Umstrukturierung oder auch Schließung zahlreicher Traditionsbetriebe.
Nach alten Vorlagen und mit den Techniken des 18. Jahrhunderts wurde 1985 in der Ohrenabteilung des Museums sogar eine Taschenuhr neu gebaut. Diese „Pforzheimer Uhr", inzwischen in kleiner Serie im Museum produziert, wird auf der Rückseite von einem Doppelporträt geschmückt. Dargestellt ist — nebst seiner Frau Caroline Luise — der Markgraf Carl Friedrich von Baden, der einst im 18. Jahrhundert die Pforzheimer auf die Idee brachte, ihr Glück in der Uhrenfertigung zu suchen. |
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