| Die Uhrengeschichte von Glashütte |
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Ferdinand Adolf Lange und sein Werk
Im Erzgebirge, 50 km östlich von Dresden, liegt die kleine Stadt Glashütte, die schon im 15. Jahrhundert durch ihren Erzbergbau bekannt war. Man förderte Silber, Kupfer, Eisen und Zinn. Doch im 16. Jahrhundert waren viele Minen ausgebeutet. Ende des 18. Jahrhunderts versuchten es die Glashütter erneut und hatten bescheidenen Erfolg, in vielen alten Gruben fanden sie noch Erz, ab 1810 waren alle Bergwerke jedoch unergiebig. Wieder zog die Armut ein. Da erschien, wie ein Engel in der Not, der Uhrmachermeister Ferdinand Adolf Lange (1815 — 1875). Er hatte sein Handwerk am sächsischen Hof beim Dresdner Hofuhrmacher Johann Friedrich Gutkaes gelernt, hatte dann in Paris gearbeitet und kam nach Deutschland zurück mit dem Wunsch, in Sachsen eine eigene qualitätvolle Ohrenmanufaktur zu gründen. Bei seiner Umschau nach einem Standort fiel ihm Glashütte auf. Dort gab es viele willige und billige Arbeitskräfte, aber es erschien Lange auch als gutes Werk, den verarmten Menschen dort zu helfen. Aus dieser Kombination von Geschäftsgeist und Hilfsbereitschaft entstand Deutschlands wichtigste Ohrenstadt.
Der Aufbau der Uhrenindustrie Lange beschaffte sich beim Staat ein zinsloses Darlehen, um 1878 seine Manufaktur groß aufzubauen. Dabei ging er die Verpflichtung ein, mindestens 15 arbeitslose Glashütter in dreijähriger Lehrzeit zu Uhrmachern auszubilden. Das Experiment wurde ein voller Erfolg. Innerhalb weniger Jahre wurden die technisch brillanten Uhren von Lange (seit 1900 „Lange & Söhne") ein Inbegriff an Präzision, sie verlangten selbst Schweizer Uhrenfacheuten Respekt ab. Lange holte nun weitere Unternehmer nach Glashütte, um eine breite Uhrenproduktion aufzubauen. Der zugezogene Taschenuhr-Fabrikant Moritz Großmann gründete dann 1878 die Deutsche Uhrmacherschule, um die technischen Fertigkeiten dem Nachwuchs weiterzugeben. Die Präzisionsuhren, die in Glashütte gefertigt wurden, standen im internationalen Wettbewerb sehr gut da.
Die deutsche Uhrenstadt Dann kam der Erste Weltkrieg und unterbrach Glashüttes Blütezeit, aber nur für vier Jahre. Nach Kriegsende ging es unvermindert weiter, neue Firmen kamen hinzu, so die Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte, die heute als Original Glashütte firmiert. Ab 1919 entstanden zusätzlich zu den Taschenuhren immer mehr Armbanduhren. Doch dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Glashütte produzierte viel, man musste Marine-Chronometer bauen, andere Uhren für die Armee, sogar Zeitzünder, bis am allerletzten Kriegstag Sowjetflieger die Stadt zerbombten. Mühsam bauten viele der Betriebe wieder auf, nur um dann vom SED-Regime in die staatliche Planwirtschaft eingebunden oder — wie Lange & Söhne — enteignet zu werden. Dass auch dadurch die Kenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten der Uhrmacher in Glashütte nicht gelitten haben, erwies sich nach der Wiedervereinigung. Alte, erfahrene Betriebe wie Lange & Söhne, Glashütte Original, Mühle Glashütte oder Union Glashütte formierten sich neu. Und eine ganze Reihe neuer Uhren-Unternehmer kam hinzu. Glashütte ist wieder die deutsche Uhrenstadt. |
