| Die Pforzheimer Uhr |
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Markgraf Carl Friedrich von Baden errichtet 1767 mit Unterstützung des französischen Unternehmers Frani;ols Autran die erste Pforzheimer Uhrenmanufaktur. Im Gegensatz zu der von ihm ebenso geförderten und erfolgreichen Schmuckindustrie — Pforzheim wurde zur „Goldstadt" — endetet das Unterfangen erfolglos Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach 1900 unternahmen die Pforzheimer einen neuen Versuch. Auf die Schmuckbranche verstanden sie sich inzwischen, also versuchten sie es zunächst mit der Herstellung von Uhren-Gehäusen. Die gelangen so gut, dass sich viele davon an die großen Schweizer Uhrenfabriken verkaufen ließen. Nach und nach entstanden in Pforzheim auch Werkstätten für Zifferblätter, Zeiger, Kronen und Gläser. Nur Uhrwerke wurden ab 1910 aus der Schweiz importiert, um komplette Armbanduhren zusammenzubauen.
Die Uhrmacher-Fachschule Man brauchte also mehr Fachleute, besonders für den Bau von Uhrwerken. So wurde 1927 eine Uhrmacher-Fachschule mit auswärtigen Lehrkräften gegründet. 1932 begann dann die Herstellung eigener Uhrwerke, und ein halbes Dutzend Jahre später stand die Pforzheimer Uhrenindustrie mit 9000 Beschäftigten bereits gut da. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Pforzheimer Uhrenbranche allerdings wieder am Boden. Doch mit dem raschen Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung gewann auch die Pforzheimer Uhrenindustrie erneut große Bedeutung. Viele Uhren verkauften sich gut auf den Weltmärkten. Zahlreiche Erfindungen wurden patentiert, an der Entwicklung batteriebetriebener Armbanduhren waren die Pforzheimer ab 1952 beteiligt, an Quarz-Armbanduhren ab 1972. Heute werden in den Pforzheimer Manufakturen auch Spezialprodukte wie Funkuhren sowie wertvolle Schmuckuhren hergestellt. Eigentlich lag es nahe, mehrere der verhältnismäßig kleinen Pforzheimer Betriebe zusammenzuschließen, um die Fachkräfte besser koordinieren zu können. Trotz mehrerer Versuche gelang das nicht. So gibt es auch heute noch eine ganze Reihe ausgezeichneter kleiner Manufakturen, aber keine wirklich große Firma.
Die Pforzheimer Uhrenproduktion Im Technischen Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie hat man es verstanden, die Faszination von über 200 wechselvollen Jahren der lokalen Uhrenproduktion lebendig werden zu lassen. Man kann die Entwicklung einzelner Firmen verfolgen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts Ohrenketten und Medaillons für Taschen- wie für Damenumhängeuhren entwickelten und wie dies zu einer starken Belebung der Uhrenproduktion führte, die nun Ketten, Gehäuse und ganze Uhren umfasste. Die Uhrenproduktion war einem ungleich stärkeren Wandel ausgesetzt als die Pforzheimer Schmuckindustrie. Von der mechanischen Uhr führte auch hier der Weg über elektronische Experimente zur Quarz-Uhr. Doch die starke internationale Konkurrenz führte seit den späten 1960er-Jahren zur Umstrukturierung oder auch Schließung zahlreicher Traditionsbetriebe. Nach alten Vorlagen und mit den Techniken des 18. Jahrhunderts wurde 1985 in der Ohrenabteilung des Museums sogar eine Taschenuhr neu gebaut. Diese „Pforzheimer Uhr", inzwischen in kleiner Serie im Museum produziert, wird auf der Rückseite von einem Doppelporträt geschmückt. Dargestellt ist — nebst seiner Frau Caroline Luise — der Markgraf Carl Friedrich von Baden, der einst im 18. Jahrhundert die Pforzheimer auf die Idee brachte, ihr Glück in der Uhrenfertigung zu suchen. |
