| Die englische Uhrenepoche |
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Chronometer für die Navigation Das 18. Jahrhundert war entscheidend für die Entwicklung der Uhren. Das Land, das dabei eine bedeutende Rolle spielte, war nicht die Schweiz, sondern England. Hier wurden Taschenuhren, vor allem aber See-Chronometer gebaut, die an Präzision alle anderen Zeitmesser übertrafen und den Engländern erlaubten, sicher die Weltmeere zu befahren. Die berühmteste Figur dieser Uhren-Epoche war George Graham (1673 — 1751). Er lernte das Handwerk bei dem erstklassigen Uhrmacher Thomas Tampion, wurde dessen Partner und übernahm 1713 Tampions Geschäft. Graham war zu seiner Zeit der bedeutendste Fachmann für astronomische Instrumente und wurde 1722 Master der „Clockmasters Company". Einige seiner Erfindungen waren für die damalige Zeit sensationell. Dazu gehört beispielsweise die „Graham-Hemmung", wie sie in großen Uhren noch heute verwendet wird, die Zylinder-Hemmung oder das Quecksilber-Kompensations-Pendel. Damals war es ganz selbstverständlich, dass jede Uhr täglich um einige Minuten vor- oder nachging. Graham schaffte es, diese Ungenauigkeit auf wenige Sekunden auszugleichen. Das Longitudinal-Problem Graham war nicht nur ein Genie, sondern erwies sich auch als Freund und Förderer der Uhrmacher in aller Welt. Er erwarb keine Patente, seine Erfindungen sollte jeder eder nutzen können. Damit gab er der Uhrmacherei in Frankreich und der Schweiz viele Anstöße. Viele seiner Uhren kann man noch heute im Greenwich Observatorium sehen. Ein anderer bedeutender Uhrmacher war John Arnold (1735 — 1799). Er baute auf den Entwicklungen von Graham auf, verfeinerte das Instrumentarium der Gangregelung und gestaltete immer kleinere Uhren. Für König George 111. schuf er eine Repititionsuhr in einem Fingerring. Seine Arbeit war von unschätzbarem Wert für die britische Flotte, denn für das Navigieren auf hoher See waren Uhren, die tage- und wochenlang exakt die heimatliche Zeit angaben, unerlässlich. Die Heimatzeit wurde zu der lokalen Zeit, die die Seeleute am Sonnenstand mithilfe ihrer Navigationsgeräte
ermittelten, in Relation gesetzt. Auf diese Weise wurde der präzise Standort auf dem geographischen Längengrad ermittelt. Die britische Admiralität setzte für die Lösung dieses so genannten „Longitudinalproblems" durch die Konstruktion eines möglichst exakt messenden Chronometers die da mals ungeheure Summe von 20.000 Pfund Sterling als Belohnung aus. Auch John Arnold bewarb sich wie viele englische Uhrmacher um diesen Preis. Doch den Preis gewann im Jahre 1759 keiner der damals bekannten Uhrmacher, sondern ein Zimmermann, Autodidakt und Ohrenbastler: ausgerechnet John Harrison. Arnold & Son John Arnold verbesserte seine Schiffs-Chronometer weiter und produzierte, damals noch sehr ungewöhnlich, ganze Serien. Er erfand eine neue Unruh, eine neue Hemmung und hatte berühmte Weltreisende (wie James Cook oder David Livingstone) als Kunden. 1787 nahm er seinen Sohn als Partner auf, seine Firma hieß nun John Arnold & Son". Dann aber musste das englische Uhrmacher-Handwerk seine führende Rolle an die Schweiz abgeben. Dort entstanden immer mehr, immer bessere Manufakturen. Von der englischen Uhren-Tradition sprach fast 200 Jahre lang niemand mehr. Diese Tradition wurde ausgerechnet in der Schweiz wieder belebt: Der schweizerische Ingenieur Eric Loth, ein großer Freund der historischen englischen Uhren-Baukunst, gründete 1994 in La Chaux-de-Fonds mit Gleichgesinnten die Firma „British Masters" mit den Marken „Graham" und Arnold & Son". Die Uhren lehnen sich in vielem an die historischen Modelle an, sie sind durch und durch englisch. |
