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Ein Chronometer, ganz wörtlich übersetzt, ist ein Zeitmesser. Das tut aber jede andere Uhr auch. Ein Chronometer misst die Zeit mit der größtmöglichen Genauigkeit, genauer als andere Uhren.
Die Übersetzung für den „Chronograph" ist regelrecht irreführend. Er müsste, seiner Bezeichnung genau folgend, die Zeit aufschreiben. Viele technische Chronographen tun das ja auch, aber eine Armbanduhr nicht. Der Armbandchronograph hält die Zeit nur fest, er ist eine Stoppuhr.
Eine Armbanduhr kann beides sein: sowohl Chronometer als auch Chronograph.
Der Chronometer
Uhren, die den Begriff „Chronometer" tragen dürfen, müssen besonders präzise gebaut sein und dürfen auch nicht auf Temperaturen reagieren. Die Erfindung eines thermisch unempfindlichen Spezialstahls durch Charles Eduard Guillaume Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichte dies.
Welche Uhren den Titel „Chronometer" tragen dürfen, wird genau festgelegt. Das können auch einfache Uhren sein, wenn sie von einem Zeitmessinstitut geprüft und positiv bewertet worden sind. In der Schweiz besorgt dies die COSC (Contröle Officiel Suisse des Chronomäfres — Offizielle Schweizerische Kontrolle der Chronometer4. Diese Einrichtung gibt es seit über 100 Jahren. Nach dem Test bekommt die Uhr ein Zertifikat, das „Bulletin officiel de marche".
Beim COSC werden täglich bis zu 25.000 Uhrwerke auf ihre Ganggenauigkeit kontrolliert. Der Test einer Uhr dauert 15 Tage, in denen sie in einem Schrank in fünf Positionen bei drei unterschiedlichen Temperaturen gelagert wird. Die durchschnittliche Gangabweichung nach 15 Tagen darf nur Sekunden-Bruchteile pro Tag betragen.Ein Chronograph für den alltäglichen Gebrauch muss nicht ganz so präzise wie ein Chronometer sein. Man braucht im Prinzip nur eine gute Uhr mit Mechanik- oder Quarz-Werk, in die man zusätzlich ein Stopp-System eingebaut hat. Meist gehören dazu zwei Knöpfe links und rechts neben der Krone, mit denen der Zeitstopp-Mechanismus gestartet und angehalten wird, und danach die Zeiger zurückgestellt werden. Der Chronographenzeiger, meist zentral angeordnet, macht in einer Minute eine Umdrehung. Ein zweiter, kleinerer Zeiger, der Minutenzähler, zählt meist bis zu 30 Minuten.
Für den Sekundenzeiger der normalen Zeitanzeige ist dabei keine Zentralposition möglich. Er muss als „kleine Sekunde" über ein eigenes kleines Zifferblatt laufen. So scheinbar einfach war auch die Omega konstruiert,die als erste Armbanduhr auf dem Mond landete. Allerdings hatte dieser „SpeedmasteC ein äußerst genau gehendes Werk mit Handaufzug.
Erfunden wurde der Chronograph schon zu Anfang des
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Jahrhunderts von dem genialen Uhrmacher George Graham (1673 — 1751). Das war allerdings keine Armbanduhr, sondern ein zweieinhalb Meter hohes Instrument für den Astronomen Edmund Halley. Von da an wurden nach und nach handlichere Chronographen für die Seefahrt gebaut.
Die ersten kleinen Chronographen gab es Anfang des
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Jahrhunderts, als die Taschenuhr mit einem anhaltbaren Sekundenzeiger erfunden wurde. Diese ersten Stoppuhren hatten einen großen Nachteil: Das Stoppen des Sekundenzeigers brachte das ganze Uhrwerk zum Stehen.
1821 meldete der Pariser Uhrmacher Rieussec einen „Zeitschreiber" zum Patent an. Sein Instrument notierte Zeitintervalle mit Tintenstrichen und -punkten auf einem rotierenden Zifferblatt. 1831 folgte die erste Taschenuhr, deren Sekundenzeiger sich, ohne das weiterlaufende Uhrwerk zu stören, beliebig oft anhalten und wieder starten ließ. 1862 entstand dann der erste Chronograph im heutigen Sinn. Die Uhr hatte einen komplizierten Zusatzmechanismus zum Starten, Stoppen und Nullstellen des Chronographenzeigers. Sport und Militär, Wissen
Messfunktionen
Viele Chronographen haben am Gehäuserand, oft auf einer verstellbaren Lunette, besondere Skalen markiert.
Mit der Tachymeter-Skala und dem Stopp-System kann man die Bewegungsgeschwindigkeit eines Körpers — zum Beispiel des Autos, in dem man sitzt — über eine genau festgelegte Distanz messen.
Mit der Telemeter-Skala kann die Distanz zwischen dem Beobachter und einem sowohl sickt- wie hörbaren Ereignis ermitteln. Das funktioniert auf Grund der Schallgeschwindigkeit, die 340 Meter in der Sekunde beträgt.
Die Pulsometer-Skala erlaubt es, den Pulsschlag zu kontrollieren. Das schätzen viele Ärzte.Wissenschaft und Technik verlangten in der Folgezeit nach immer besseren kleinen Chronographen.
Die nachspringende Sekunde
Es dauerte lange, bis es gelang, zuverlässige Chronographen für die kleinen Armbanduhren zu bauen. Schon der einfache Armbanduhren-Chronograph ist ein sehr kompliziertes Instrument. Aber bald wurde von den Sportfans noch mehr verlangt. Ihnen genügte es nicht, nur einen Ablauf zu stoppen. Warum bei einem Rennen nur den ersten Läufer stoppen? Warum nicht auch den zweiten, dritten und vierten?
Auch das gelang schließlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Systeme, die dies fertig bringen, hießen früher „Nachspringende Sekunde", heute nennt man sie meist „Rattrapante". Das Wort kommt vom französischen „rattraper", „wieder fangen", „erwischen". Das System funktioniert so, dass beim Starten des Chronographen zwei Stoppzeiger anlaufen. Ein Knopfdruck stoppt den zweiten Zeiger (den „Schleppzeiger"4, um die Zeit des Siegers festzuhalten, während der erste Zeiger weiterläuft. Dann kann man den zweiten Zeiger wieder starten. Er holt buchstäblich den ersten Zeiger ein, „erwischt" ihn wieder und zeigt dessen Zeit an, kann dann wieder gestoppt werden, erneut starten und misst auf diese Weise beliebig viele weitere Zeitabschnitte (für beliebig viele Läufer, die nacheinander ins Ziel laufen). Derweil läuft der erste Zeiger ungestört weiter, bis auch er durch Druck auf seinen Knopf gestoppt wird.
Das klingt nicht einfach und verlangt auch ein ungemein kompliziertes System. Dafür sind viele zusätzliche Bauteile nötig, und für diese brauchte man zunächst viel Platz. Erst nach Jahrzehnten konnte die Technik so verfeinert werden, dass diese Funktionen auch in einer flachen Armbanduhr untergebracht werden konnten.
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Das Pendel
Jede Uhr braucht gespeicherte Energie, um zu funktionieren. Bei alten Turmuhren lieferten die Gewichte, die jeden Tag neu hochgezogen wurden, die Energie, bei Quarz-Uhren ist die Batterie der Energiespeicher, bei den meisten Armbanduhren ist es eine Stahlfeder, die von Hand oder automatisch durch die Bewegung regelmäßig aufgezogen wird.
Diese gespeicherte Energie läuft ab und sorgt dafür, dass sich die Zeiger drehen. Dabei muss man die Energie bei mechanischen Uhren
allerdings so weit bremsen, dass sie nicht in einem Zug entladen wird, die Zeiger sich wild im Kreis drehen und schon nach Sekunden wieder stehen, weil alle Energie verpufft ist.
Bei den großen alten Uhren, später dann auch
bei vielen häuslichen Uhren, fand man eine geniale Bremse, um den Ablauf der Energie entsprechend zu bremsen: das Pendel. Es lässt bei jedem seiner Hin- und Herschwünge nur ein genau dosiertes Quäntchen Energie ins Uhrwerk fließen, indem es einem großen Zahnrad erlaubt, sich um einen Zahn weiterzudrehen.
Hemmung und Unruh
In einer kleinen mechanischen Uhr ist das schwieriger, hier kann kein Pendel den Energiezufluss regeln. Deshalb hat man sich ein anderes System ausgedacht.
Es besteht zunächst aus der Trieb- oder Zugfeder, die aus einem eingerollten Stahlband oder einer ähnlich elastischen, weitgehend bruchsicheren Legierung hergestellt ist und die stets von Neuem aufgezogen oder eingerollt werden muss, damit sie unter der Spannung steht, die ihre Kraftreserve darstellt.Diese aufgewundene Zugfeder bewegt zunächst die Hemmung und diese den Oszillator, der besser unter der Bezeichnung „Unruh" bekannt ist. Es handelt sich um ein winziges Schwungrad, das sich anstatt des schwingenden Pendels hin- und herdreht. Ein Spiralfederchen sorgt dafür, dass immer der nötige Schwung erhalten bleibt. Die Anstöße für ihre Bewegung bekommt die Unruh schubweise von der „Hemmung", die mit dem Zahnrad der Zugfeder verbunden ist. Dabei klingt der Name „Hemmung" sehr unlogisch, er beruht auf der zweiten Funktion dieses kleinen Systems-. Die Hemmung muss durch ihre Zeitschübe dafür sorgen, dass die Unruh im richtigen Zeittakt immer wieder „gehemmt" wird, damit sie bei ihrer Hin-und Herbewegung nicht übers Ziel hinausschießt. Sie muss ein genau festgelegtes Tempo einhalten. In exakt diesem Tempo wird die Energie der Zugfeder abgerufen, um das Räderwerk anzutreiben, das die Zeiger dreht. Dieses raffinierte Prinzip eines Schwing- und Hemmungssystems sorgt bei nahezu reibungsloser Kraftübertragung für den exakten und genauen Gang der Uhr.
Die Ankerhemmung
Heute gibt es fast überall nur noch die „Schweizer Ankerhemmung". Das den Schub vermittelnde Teilchen zwischen Hemmungsrad und Unruh sieht wie ein Schiffsanker aus.
Wie kann ein solch feines Werk, das jahrelang präzise arbeiten muss, stabil genug sein? Der heikelste Bereich ist das pulsierende Herz: die schwingende Unruh und ihre Spiralfeder. Die Zapfen der Achsen an der Unruh müssen die ganze Last der Schwingung tragen. Man lagert sie deshalb gern in synthetischen Rubinen, die ein Minimum an Reibung und Abnützung garantieren.
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Anforderungen
Die erste Firma, die einwandfrei wasserdichte Armbanduhren herausbrachte, war Rolex. Mit einer „Oyster" von Rolex schwamm die Sekretärin Mercedes Gleitze 1927 durch den Ärmelkanal. 1932 stellte Omega seine „Marine" vor, die bis zu 135 m Wassertiefe getestet war.
Heute gibt es Taucheruhren, die noch in 1000 m, sogar in 2000 m Wassertiefe einwandfrei funktionieren. Und viele können weit mehr.
Ein Schnorcheltaucher, der auch im Wasser nur ab und zu wissen will, wie spät es gerade ist, braucht keine Tauchuhr. Ihm genügt eine beliebige wasserdichte Armbanduhr, die stabil gebaut ist.
Die meisten Armbanduhren garantieren eine Wasserdichtigkeit bis zu 20 oder 30 m Tiefe. Das reicht für die meisten Freizeit-Taucher völlig aus.
Die Ausstattung
Bei fast allen Uhren, die ausdrücklich als
„Taucheruhren" angeboten werden, ist die Wasserdichte und Unversehrtheit bis zu einer Tauchtiefe von 100 m oder mehr garantiert. Die Produzenten von Taucheruhren berücksichtigen nicht nur, dass die Uhr einen gewissen Wasserdruck aushalten muss, sondern auch Erschütterungen standhalten muss beim Sprung ins Wasser aus einer möglicherweise erhöhten Position. Hinzu kommt der abrupte Temperatursturz, dem die Uhr auf ihrem Weg vom Festland oder Boot in die Tiefe ausgesetzt ist.
Eine Taucheruhr sollte also ein möglichst massives Gehäuse haben, vielleicht sogar eines aus einem einzigen Metallstück, und darin wenige Öffnungen für die Bedienungselemente wie Kronen oder Knöpfe haben.
Auch das Armband der Uhr spielt eine Rolle. Wer bei größeren Tauchabenteuern einen Neopren-Anzug trägt, braucht eine Uhr mit entsprechend verstellbarem oder verlängerbarem Armband. Kautschuk-Armbänder haben einen großen Vorzug: Wenn in tieferen Wasserbereichen ein Neopren-Anzug buchstäblich dünner wird, können Uhren vom Handgelenk rutschen. Es gibt auch Uhrbänder, die zwar nicht dehnbar sind, bei denen aber der Verschluss flexibel reagiert.
Ein weiteres Problem: Alles wird dunkler, je tiefer man taucht. Die Uhr sollte durch entsprechende nachtleuchtende Ziffern und Zeiger darauf eingerichtet sein und sie sollte für das Ablesen einfach konstruiert sein.
Wenn man die Uhr trägt, um die Dauer seiner Tauchgänge zu messen, ist vor allem ein großer, gut sichtbarer Minutenzeiger wichtig, vielleicht noch ein Sekundenzeiger. Eine verstellbare Lunette an der Uhr ist sehr praktisch, um an der Skala der Lunette mit dem Minutenzeiger genau kontrollieren zu können, wie lange man schon unter Wasser ist. Solch eine drehbare Lunette kann auf die Minute eingestellt werden, zu der man auftauchen möchte.
Die Beschriftung der Lunette sollte aus Leuchtfarbe, das Glas des Gehäuses sollte entspiegelt sein. Alle anderen Komplikationen sind für den Taucher eher überflüssig. Manche Tauchsportler schätzen Tauch-Chronographen. Viele Tauchuhren verfügen über weitere Komplikationen, wie z. B. ein Helium-Ventil. Das ist nützlich, wenn- man mit Geräten in sehr großen Wassertiefen taucht. Einmal im Jahr sollte man einen Uhrmacher prüfen lassen, ob die Uhr, die man unter Wasser trägt, noch ausreichend dicht ist.
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Frühe Piloten-Uhren
Immer schon versuchte man, für Flugpiloten spezielle Uhren herzustellen. Die Sportflieger vor allem wollten sehr genaue Uhren haben, später auch möglichst gut funktionierende Chronographen. Aber sie mussten, besonders in offenen Maschinen, dick gekleidet sein und trugen oft auch Handschuhe. Das war ein Problem.
Piloten und Flugbeobachter übernahmen noch im Zweiten Weltkrieg oft die B-Uhren („Beobachtungsuhren") der Seeleute. Das waren Taschenchronometer mit Durchmessern von 50 oder 55 mm mit Leuchtziffern und Leuchtzeigern, die einen Tragriemen hatten. So befestigte man sie am Handgelenk oder, was manche Piloten praktischer fanden, am Oberschenkel.
Es gab aber auch in den 1930er-Jahren schon spezielle Flieger-Armbanduhren. Sie waren größer als die normalen Armbanduhren und konnten auch einen stärkeren Stoß vertragen. Viele hatten drehbare Lunetten, mit denen man einen bestimmten Zeitpunkt, meist den Flugstart, einstellen konnte, damit man genau wusste, wie lange man unterwegs war. Die meisten dieser Uhren waren darauf eingerichtet, dass man sie nicht unter, sondern über dem Jackenärmel trug. Manche Uhren hatten weit herausragende Stell- und Aufzugskronen, die der Pilot auch dann noch benutzen konnte, wenn er dicke Handschuhe trug.
Die frühen Piloten-Uhren hatten so gut wie keine Komplikationen. Man wollte, dass die Zeiger von Stunde, Minute und Sekunde gut und ohne Einschränkungen sichtbar waren. Doch vor 50 Jahren kamen unter den Piloten Chronographen in Mode. Man benötigte wegen der weltweiten Überseeflüge auch mehr und mehr Uhren mit einer zweiten Zeitzone.
Navigation nach dem Sonnenlicht
In den Anfangsjahren der Fliegerei war es besonders wichtig, Bescheid über die Himmelsrichtungen zu wissen. Das Einfachste dafür war natürlich ein kleiner Kompass, aber viele Piloten benutzten den alten Pfadfinder-Trick-. Man richtete den kleinen Zeiger einer Uhr auf die Sonne.
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Robert Greubel kommt aus dem Elsass, ist Sohn eines Uhrmachers und hat bei mehreren französichen Uhrenherstellern gearbeitet. Bei Audemars Piquet wurde er Teilhaber und Generaldirektor. Stephen Forsey ist Engländer, Uhrmacher und Restaurator. In der Schweiz trafen sich die beiden und gründeten 2001 in La Chaux-de-Fonds ein gemeinsames Unternehmen, das komplizierte Uhrwerke für die Luxusmarken anderer Uhrenfirmen entwickelt.
Unter der Marke „Greubel Forsey" produzieren sie außergewöhnliche Uhren, alle individuell nummeriert und handgraviert.
Die erste dieser Uhren, die in der Branche gleich großes Aufsehen erregte, war die „Double Tourbillon 30 Grad". Zum ersten Mal sind zwei Tourbillons, ein kleines und ein großes, in einer Uhr beisammen. Das Deine läuft mit einer Umdrehung pro Minute, das große mit vier Minuten.
Das Tourbillon, um das Jahr 1800 für viel größere Uhren erfunden, sorgt mit seinem langsam kreiselnden Käfig, in dem sich die Unruh bewegt, für größere Ganggenauigkeit. Kräfte von außen — etwa die Erdanziehung — wirken auf diese Weise nie längere Zeit gleichmäßig ein. In Armbanduhren wurden Tourbillons erst ab etwa 1945 eingebaut. Die „Double Tourbillon" hat als erste Armbanduhr zwei solcher Tourbillons, ein größeres und ein kleineres, wobei das eine in das andere in einem Winkel von 30 Grad eingebaut ist. Beide Tourbillons wirken auf die Unruh, und der Unterschied von 30 Grad gleicht Unterschiede der Ganggenauigkeit, die durch die wechselnd wirkende Erdanziehung auf die Uhr auftreten, noch besser aus. Es handelt sich um winzige Geschwindigkeitsunterschiede, und genau so winzig ist auch das doppelte Tourbillon-System. Es besteht aus 128 Teilen, wiegt aber nur 1,17 Gramm. Das große Tourbillon dreht sich einmal in vier Minuten, das kleine einmal in einer Minute.
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Ferdinand Adolf Lange und sein Werk
Im Erzgebirge, 50 km östlich von Dresden, liegt die kleine Stadt Glashütte, die schon im 15. Jahrhundert durch ihren Erzbergbau bekannt war. Man förderte Silber, Kupfer, Eisen und Zinn. Doch im 16. Jahrhundert waren viele Minen ausgebeutet. Ende des 18. Jahrhunderts versuchten es die Glashütter erneut und hatten bescheidenen Erfolg, in vielen alten Gruben fanden sie noch Erz, ab 1810 waren alle Bergwerke jedoch unergiebig. Wieder zog die Armut ein.
Da erschien, wie ein Engel in der Not, der Uhrmachermeister Ferdinand Adolf Lange (1815 — 1875). Er hatte sein Handwerk am sächsischen Hof beim Dresdner Hofuhrmacher Johann Friedrich Gutkaes gelernt, hatte dann in Paris gearbeitet und kam nach Deutschland zurück mit dem Wunsch, in Sachsen eine eigene qualitätvolle Ohrenmanufaktur zu gründen. Bei seiner Umschau nach einem Standort fiel ihm Glashütte auf. Dort gab es viele willige und billige Arbeitskräfte, aber es erschien Lange auch als gutes Werk, den verarmten Menschen dort zu helfen. Aus dieser Kombination von Geschäftsgeist und Hilfsbereitschaft entstand Deutschlands wichtigste Ohrenstadt.
Der Aufbau der Uhrenindustrie
Lange beschaffte sich beim Staat ein zinsloses Darlehen, um 1878 seine Manufaktur groß aufzubauen. Dabei ging er die Verpflichtung ein, mindestens 15 arbeitslose Glashütter in dreijähriger Lehrzeit zu Uhrmachern auszubilden. Das Experiment wurde ein voller Erfolg.
Innerhalb weniger Jahre wurden die technisch brillanten Uhren von Lange (seit 1900 „Lange & Söhne") ein Inbegriff an Präzision, sie verlangten selbst Schweizer Uhrenfacheuten Respekt ab. Lange holte nun weitere Unternehmer nach Glashütte, um eine breite Uhrenproduktion aufzubauen. Der zugezogene Taschenuhr-Fabrikant Moritz Großmann gründete dann 1878 die Deutsche Uhrmacherschule, um die technischen Fertigkeiten dem Nachwuchs weiterzugeben. Die Präzisionsuhren, die in Glashütte gefertigt wurden, standen im internationalen Wettbewerb sehr gut da.
Die deutsche Uhrenstadt
Dann kam der Erste Weltkrieg und unterbrach Glashüttes Blütezeit, aber nur für vier Jahre. Nach Kriegsende ging es unvermindert weiter, neue Firmen kamen hinzu, so die Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte, die heute als Original Glashütte firmiert. Ab 1919 entstanden zusätzlich zu den Taschenuhren immer mehr Armbanduhren. Doch dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Glashütte produzierte viel, man musste Marine-Chronometer bauen, andere Uhren für die Armee, sogar Zeitzünder, bis am allerletzten Kriegstag Sowjetflieger die Stadt zerbombten. Mühsam bauten viele der Betriebe wieder auf, nur um dann vom SED-Regime in die staatliche Planwirtschaft eingebunden oder — wie Lange & Söhne — enteignet zu werden.
Dass auch dadurch die Kenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten der Uhrmacher in Glashütte nicht gelitten haben, erwies sich nach der Wiedervereinigung. Alte, erfahrene Betriebe wie Lange & Söhne, Glashütte Original, Mühle Glashütte oder Union Glashütte formierten sich neu. Und eine ganze Reihe neuer Uhren-Unternehmer kam hinzu. Glashütte ist wieder die deutsche Uhrenstadt.
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Chronometer für die Navigation
Das 18. Jahrhundert war entscheidend für die Entwicklung der Uhren. Das Land, das dabei eine bedeutende Rolle spielte, war nicht die Schweiz, sondern England. Hier wurden Taschenuhren, vor allem aber See-Chronometer gebaut, die an Präzision alle anderen Zeitmesser übertrafen und den Engländern erlaubten, sicher die Weltmeere zu befahren.
Die berühmteste Figur dieser Uhren-Epoche war George Graham (1673 — 1751). Er lernte das Handwerk bei dem erstklassigen Uhrmacher Thomas Tampion, wurde dessen Partner und übernahm 1713 Tampions Geschäft. Graham war zu seiner Zeit der bedeutendste Fachmann für astronomische Instrumente und wurde 1722 Master der „Clockmasters Company". Einige seiner Erfindungen waren für die damalige Zeit sensationell. Dazu gehört beispielsweise die „Graham-Hemmung", wie sie in großen Uhren noch heute verwendet wird, die Zylinder-Hemmung oder das Quecksilber-Kompensations-Pendel.
Damals war es ganz selbstverständlich, dass jede Uhr täglich um einige Minuten vor- oder nachging. Graham schaffte es, diese Ungenauigkeit auf wenige Sekunden auszugleichen.
Das Longitudinal-Problem
Graham war nicht nur ein Genie, sondern erwies sich auch als Freund und Förderer der Uhrmacher in aller Welt. Er erwarb keine Patente, seine Erfindungen sollte jeder eder nutzen können. Damit gab er der Uhrmacherei in Frankreich und der Schweiz viele Anstöße. Viele seiner Uhren kann man noch heute im Greenwich Observatorium sehen.
Ein anderer bedeutender Uhrmacher war John Arnold (1735 — 1799). Er baute auf den Entwicklungen von Graham auf, verfeinerte das Instrumentarium der Gangregelung und gestaltete immer kleinere Uhren. Für König George 111. schuf er eine Repititionsuhr in einem Fingerring. Seine Arbeit war von unschätzbarem Wert für die britische Flotte, denn für das Navigieren auf hoher See waren Uhren, die tage- und wochenlang exakt die heimatliche Zeit angaben, unerlässlich.
Die Heimatzeit wurde zu der lokalen Zeit, die die Seeleute am Sonnenstand mithilfe ihrer Navigationsgeräte
ermittelten, in Relation gesetzt. Auf diese Weise wurde der präzise Standort auf dem geographischen Längengrad ermittelt. Die britische Admiralität setzte für die Lösung dieses so genannten „Longitudinalproblems" durch die Konstruktion eines möglichst exakt messenden Chronometers die da
mals ungeheure Summe von 20.000 Pfund Sterling als Belohnung aus. Auch John Arnold bewarb sich wie viele englische Uhrmacher um diesen Preis. Doch den Preis gewann im Jahre 1759 keiner
der damals bekannten Uhrmacher, sondern ein Zimmermann, Autodidakt und Ohrenbastler: ausgerechnet John Harrison.
Arnold & Son
John Arnold verbesserte seine Schiffs-Chronometer weiter und produzierte, damals noch sehr ungewöhnlich, ganze Serien. Er erfand eine neue Unruh, eine neue Hemmung und hatte berühmte Weltreisende (wie James Cook oder David Livingstone) als Kunden. 1787 nahm er seinen Sohn als Partner auf, seine Firma hieß nun John Arnold & Son".
Dann aber musste das englische Uhrmacher-Handwerk seine führende Rolle an die Schweiz abgeben. Dort entstanden immer mehr, immer bessere Manufakturen. Von der englischen Uhren-Tradition sprach fast 200 Jahre lang niemand mehr.
Diese Tradition wurde ausgerechnet in der Schweiz wieder belebt: Der schweizerische Ingenieur Eric Loth, ein großer Freund der historischen englischen Uhren-Baukunst, gründete 1994 in La Chaux-de-Fonds mit Gleichgesinnten die Firma „British Masters" mit den Marken „Graham" und Arnold & Son". Die Uhren lehnen sich in vielem an die historischen Modelle an, sie sind durch und durch englisch.
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Die Feder
Dreierlei Arten von Uhrwerken gibt es die mechanischen, die elektrischen und die Kombinationen aus beiden.
Die mechanischen Uhrwerke funktionieren, indem man eine Feder aufzieht. Sie läuft ab und setzt das Uhrwerk in Bewegung. Damit die Feder nicht ein
fach abschnurrt wie bei einem Kinderspielzeug, sondern ihre Kraft langsam und gleichmäßig überträgt, hat man eine mechanische Hemmung eingebaut. Sie sorgt dafür, dass die Energie der Feder nur in vielen kleinen
Schüben ins Uhrwerk kommt. Genau berechnete Zahnräder übertragen und vermitteln die Kraft des Uhrwerks an die vie
len Stellen, wo sie gebraucht wird-. an die Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden, an die Drehscheiben für die Kalender-Anzeigen, an die Stoppsysteme der Chronographen, an die Anzeige der Mondstellungen und oft noch an viele andere Darstellungen.
Dafür sind hunderte von Einzelteilen nötig, die bei Armbanduhren oft mikroskopisch klein sein müssen — und die bei teuren Uhren nach wie vor weitgehend von Hand geschliffen, geglättet und poliert werden.
Bei einer mechanischen Armbanduhr kennt man zwei Prinzipien, nach denen die Uhrfeder aufgezogen wird. Das erste, älteste und auch einfachste Prinzip-. der Aufzug von Hand. In der Anfangszeit geschah dies oft mit einem kleinen Schlüssel, nach und nach aber hat sich eine Krone am Rand des Gehäuses durchgesetzt, die man mit Daumen und Zeigefinger drehen kann, um die Uhr aufzuziehen. Zieht man die Krone ein Stückchen heraus, kann man die Zeiger stellen.
Später wurde die Automatik erfunden: Die Bewegung des Handgelenks überträgt sich auf ein System in der Uhr, das die Uhrfeder in kleinen Schüben spannt. Ganz neu ist dieses System nicht. Ein uhrmacherischer Autodidakt namens Abraham Louis Perrelet präsentierte schon 1770 die erste Uhr mit Selbstaufzug. Ein Problem war: Es gab damals ja nur Taschenuhren und die wurden nun ma
getragen — ohne ausreichende Bewegung, um ein Werk in Gang zu halten. Das war erst bei Armbanduhren möglich, die ständig genügend bewegt werden.
Aber so einfach war es auch bei diesen nicht. Jahrzehntelang verfeinerten Uhrmacher in ganz Europa dieses Prinzip, bekamen Patente, bauten auch Uhren wie 1922 Läon Leroy in Paris oder Harwood 1924 in England.
Immer ging es darum, die Schwingungen eines Rotors oder eines Pendels auf eine Uhrfeder zu übertragen —das funktionierte zwar, aber nicht zuverlässig. Bis RolexBoss Hans Wilsdorff 1931 seine „Perpetual" erfand und 1933 patentieren ließ: Sein Prinzip funktioniert bis heute ausgezeichnet.
Automatik-Uhren unterscheiden sich äußerlich lediglich geringfügig von Uhren mit einem Handaufzug: Sie sind meist etwas dicker, weil auf dem Boden des Werks der Rotor aus einem schweren Metall aufgesetzt ist, der sich frei um die zentrale Achse drehen muss. Er schwingt jedes edes Mal, wenn das Handgelenk die Stellung d'er Uhr verändert. Rund 150 Umdrehungen des Rotors sind für eine Umdrehung der Federwelle nötig.
Einfacher und preiswerter wäre der elektrische Antrieb einer Uhr. Millionen von Bahnhofsuhren in aller Welt zeigen, wie zuverlässig diese Technik (meist) funktioniert. Solche schlichten Systeme könnten auch Armbanduhren antreiben. Allerdings müsste dazu die Stromversorgung gewährleistet sein. Dazu gab es Versuche mit Mini-Batterien.
Das Quarz-Werk
Als größte Revolution ' der Geschichte der Armbanduhren galten die ersten Uhren mit einem Quarz-Werk.Am 25.12.1969 wurde als erste Uhr mit einem Quarz-Werk das Modell „Astron" der japanischen Ohrenfirma Seiko auf den Markt gebracht.
Das eigentlich Revolutionäre an Quarz-Werken ist, dass sie genauer gehen als mechanische Werke, seien diese nun automatisch betrieben oder mit Handaufzug. Und nicht nur das-. Quarz-Uhren sind dadurch auch erheblich billiger. Allerdings brauchen sie elektrischen Strom. Der kommt meist aus einer kleinen Batterie, die
alle paar Jahre gewechselt werden muss.
Weil viele Uhrmacher ihrer Berufung folgen und Ohrenfreunde für kostbare mechanische Uhren nach wie vor bereit sind zu bezahlen gibt es die komplizierten mechanischen Uhren nach Jahren der Unschlüssigkeit wieder in großen Serien oder als kostbare Einzelstücke.
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